-Wir befinden uns nun in dem Empfangspavillon. Warum haben Sie sich entschieden hier mit einer Serie von Selbstportraits zu beginnen? Carolina: Zunächst möchte ich Sie als Gast willkommen heißen. Ich hoffe Sie hatten eine gute Reise. Am liebsten würde ich alle Besucher persönlich kennenlernen, aber das ist natürlich nicht möglich. Darum habe ich mich für eine künstlerische Lösung entschieden, die es allen Besuchern erlaubt mich zu treffen. Die Portraitkunst ist ein künstlerishes Genre, das mir an dieser Stelle als ein geschicktes Medium erschien. Es gibt Besuchern einen ersten Eindruck davon wer ich bin, wie ich aussehe und wie sich meine Kreativität ausdrückt, wenn ich male. Ich habe schon immer Selbstportraits gemacht, auch bereits ehe ich mit diesem Projekt begonnen habe. Für den Empfangspavillon habe ich einige meiner bestehenden Werke benutzt und sie mit Neuen kombiniert. Ich arbeite nicht mit einem detaillierten Plan, sondern versuche meine Kunst wachsen zu lassen, so wie die Natur es tut. Ich benutze ebenfalls die mir gegebenen Möglichkeiten. Die Werke entwickelten sich unbeabsichtigt in eine einzigartige Serie. Der Zusammenhang zwischen den Kunststücken wurde erst hinterher deutlich. Die Serie ist nun zu einer gemalten Repräsentation meiner Lebenslinie geworden. Jeder von uns beginnt jung und wird älter, das gilt gleichermaßen für Sie und für mich.

-Worin liegt die Wichtigkeit dieser Fotoserie für Sie persönlich? Carolina: Wenn ich ein Selbstportrait male, dann schaue ich in den Spiegel oder auf ein Foto. Zuerst probiere ich die physischen Formen meines Gesichts richtig zu treffen. Während ich dies tue passiert jedoch noch mehr. Ich versuche auch meine Persönlichkeit darin auszudrücken. Wie fühlte ich mich, welche Aktivitäten haben meine Tage erfüllt? Haben mich diese täglichen Aktivitäten erfüllt? Die physischen Formen und die Persönlichkeit verschmelzen miteinander. Frage mich nicht wie das funktioniert, darauf habe ich keine Antwort. Eine Besonderheit beim Erstellen dieser Serie war, dass es mich in die Vergangenheit zurückversetzt hat. Die Erinnerungen an diese jungen Carolinas wurde so lebendig während ich sie malte, dass ich es so empfand als existierten sie noch immer in mir - selbst jetzt, wo ich älter bin. Ich bin also verschiedenen Aspekten von mir wiederbegegnet, indem ich sie gemalt habe. In dieser Serie werden diese Aspekte vereint und formen gemeinsam die Gesamtheit meines Lebens, die Gesamtheit der Person, die ich heute bin.

-Kunst kann für politische, wirtschaftliche und religiöse Zwecke genutzt werden. Das haben wir aus der Vergangenheit gelernt. Versuchsen Sie durch Ihre Kunst eine Botschaft zu kommunizieren? Carolina: Ich kann mir keine Kunst vorstellen, die nichts zu sagen hat. Ich bin ein Mensch, ich schöpfe aus meiner Lebenshaltung, die durch alles was ich tue wirkt. Ich liebe diesen Planeten, die Natur dieser Erde, die Tiere und die Menschen. Was mich mit zunehmendem Alter mehr und mehr erstaunt, ist die enorme Diversität der Menschen und ihren Kulturen. Zugleich sehe ich mindestens genauso viele biologisch determinierte Gemeinsamkeiten. Das was wir als Menschen gemeinsam haben verdient ebenfalls unsere Aufmerksamkeit. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen von heute und morgen sich zunehmend dessen was uns verbindet bewusst werden und lernen mit der Verschiedenheit der Menschen umzugehen. Meiner Meinung nach sind diese Unterschiede interessant, unvermeidbar und notwendig. Sie erlauben es, uns gegenseitig zu helfen und zu inspirieren. Ich bin eine Träumerin. Ich träume von einer wunderschönen Welt auf dieser prächtigen Erde. Wenn wir uns auf das konzentrieren was uns verbindet, können wir diesen Traum gemeinsam realisieren.